Von Robotern, Tränen und Wachtürmen

In diesem imposanten Gebäude ist das deutsche Kommunikationsmuseum zu finden. Beim Betreten des Museums beginnt (wieder) eine kleine Zeitreise: Zuerst wird man von sprechenden & herumfahrenden Robotern begrüsst. Sie fragen freundlich, ob man dies und das schon weiss. Besteigt man aber die Treppe, wird man aber von der Roboter-Zukunft in die Vergangenheit zurück gebeamt. Über die Postkutsche über die Eisenbahn bis zum Mobiltelefon sieht man einfach alles. Sei es die Enigma, die deutsche Codiermaschine aus dem 2. Weltkrieg, oder eine von der Decke herabhängende Postkutsche, in Einzelteile zerlegt. Im zweiten Stockwerk erfährt man alles über das Fernsehen, das Radio und die Nutzung der Medien & Kommunikation im Krieg. Im Untergeschoss ist die Schatzkammer, wo auch eine rote Mauritius, eine sehr seltene Briefmarke, ausgestellt ist. 
Mir fehlte im Museum allerdings einen Teil über die moderne Kommunikation. Die Zeitreise endet mit dem Mobiltelefon, bzw. mit dem Fernsehen. Trotzdem ist ein Museumsbesuch für technisch oder historisch interessierte Leute für einen günstigen Eintrittspreis sehr empfehlenswert. 

Nach dem Museum für Kommunikation lohnte sich ein Besuch im Sony-Center am Potsdamer Platz. Überhaupt ist die Geschichte dieses Platzes sehr interessant: Es war einst, Anfangs des 20. Jahrhunderts, einer der verkehrsreichsten Plätze in Europa, und meines Wissens der erste Platz ausserhalb New Yorks, wo es eine Ampel gab. Mit dem Bahnhof war es der erste Platz, welchen die Touristen sahen, und er wurde dementsprechend präsentiert. Nach dem Krieg waren aber all die Theater & Volkshäuser zerstört. Der Bau der Mauer 1961 bedeutete definitiv das Ende für diesen belebten Platz: Die Mauer ging hier mittendurch. Er wurde zum Teil des Todesstreifens. Nach dem Fall der Mauer war hier das grösste innerstädtische Brachland Europas. Über 10 Jahre nach dem Fall der Mauer erwachte der Platz aber wieder zum Leben: 2000 wurde das Sony-Center eröffnet, einen grossen Gebäudekomplex mit grossem Lichthof, wo neben einem grossen Kino auch das Sony Europa-Hauptquartier ist. 

Im “Tränenpalast”, der ehemaligen Abfertigungshalle am Bahnhofs Friedrichstrasse, welche ich schon von der Bootstour auf der Spree gesehen habe, fand gerade eine sehr gut gemachte Ausstellung statt. Hier wurden ja die Zug-Ausreisenden aus Ostberlin nach Westberlin stengstens überprüft, und die Leute mussten voneinander Abschied nehmen. Deshalb auch der Name. 
Die Ausstellung zeigte die engen Durchgänge, in welchen Ausreisende überprüft wurden, Filmausschnitte zur deutschen Teilung vom Ost- und Westfernsehen, sowie ein Modell des damaligen, geteilten Bahnhofes.

Der Donnerstag war mein letzter Tag in Berlin, trotdem hatte ich noch Zeit für das jüdische Museum, welches schon einmal wegen der Architektur sehr spannend ist. Ich hatte mal eine Arbeit über den Architekt des Museums, Daniel Liebeskind geschrieben, welcher auch Jude war und die Überbauung am World-Trade Center in New York entworfen hat. Nach genauen Sicherheits-Kontrollen wurde die Geschichte der Juden, insbesondere des Holocaust, gut erklärt. 

Nach dem Museum bot sich ein Mauer-Spaziergang an, vom Checkpoint Charlie bis zum Potsdamer Platz. Es gibt überall Informationstafeln, man sieht viele Reste der Mauer und sogar die Mauern des Nazi-Gefängnisses. Etwas versteckt, in der Emma-Berger-Sackgasse, befindet sich noch ein Wachturm, ganz unscheinbar zwischen Parkplätzen. 

Nach einem Ausflug zum Kudamm (ich dachte immer, es heisst Kuhdamm, dabei ist es bloss eine Abkürzung für Kurfirstendamm :-)) war es auch schon Zeit für den Abflug zurück nach Zürich. Es waren tolle sechs Tage in Berlin!

Ach ja: Laut meinem Reiseführer sollte der Flughafen Tegel, wo ich ankam & abreiste, schon abgerissen sein. Da sieht man wieder ein Nachteil der Print-Medien gegenüber den Online-Medien. Der Flughafen Tempelhof, welchen ich mit Tegel durcheinanderbrachte, gibt es übrigens nicht mehr, es ist nun ein Park. Der Flughafen Schönefeld wird zurzeit ausgebaut und sollte wohl zum Haupt-Flughafen der Stadt Berlin werden. 

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