Veloreisebericht: Der Kampf mit dem Rhonewind

Mein Ziel ist es, die 4 wichtigsten Flüsse der Schweiz (Rhein, Rhone, Inn, Ticino) mit dem Velo abzufahren – bis zur Mündung oder immerhin bis zur Landesgrenze. Vor 2 Jahren bin ich von Airolo bis Vigevano IT dem Ticino entlang gefahren, letztes Jahr entlang der Inn von Maloja durch das schöne Engadin bis nach Innsbruck.

Dieses Jahr habe ich mit der Rhone zumindest mal gestartet. Da es nur 2 Tage schön war, bin ich um Zeit zu sparen, nicht bei der Rhonequelle gestartet, sondern in Lax VS. Um ca 10 Uhr gestartet, war ich nach einer Abfahrt durch die Oberwalliser Dörfer entlang der Hauptstrasse schnell in Brig. Zwar fehlt die Veloinfrastruktur auf der Hauptstrasse (kein Velostreifen), es herrschte allerdings zu dieser Tageszeit wenig Verkehr sodass mich das nur wenig gestört hat.

Anders sieht es mit der Beschilderung der Veloroute aus. Auf dem ganzen Verlauf habe ich immer wieder Abzweigungen verpasst, Den Veloweg nicht gefunden oder bin falsch abgebogen wegen ungenauen oder verdrehten Wegweisern. So auch vor Brig (Glis), wo ich der Veloweg der Rhoneroute nicht fand, dafür aber ein toller Velo- und Fussgängerweg auf einem alten Bahntrassee.

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Ab Brig-Glis gibt es praktisch kein Gefälle mehr. Dafür wunderbar breite, kaum befahrene Landstrassen.

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Der Rhone-Veloweg ist meistens direkt neben dem Fluss geführt. So spart man sich mühsame Zwischensteigungen und Umwege, es wird aber auch schnell etwas langweilig. So war ich froh, als der Weg mal durch die schöne Wallisersiedulung Raron führte.

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Die Ausnahme der Routenführung ist der Abschnitt zwischen Leuk und Sierre, welcher auf der Hauptverkehrsachse geführt wird. Da es hier (noch) keine Autobahn gibt, hat es sehr viel Verkehr und auch viel Lastwagen. Aber: Der Velostreifen war so breit, dass mich das kaum gestört hat – Teilweise war dieser so breit wie eine Autospur! Nebeneinanderfahren ist für Velofahrer auf der Rhoneroute also praktisch durchgehend möglich, und die breiten Streifen geben einem mehr Sicherheit.

Ab Sierre geht es wieder auf einem Damm der Rhone entlang, allerdings kam mir da das erste mal der Rhonewind in die Quere, welcher mir entgegen blaste. Bis nach Sion war es sehr mühsam, vorwärts zu kommen und das Tempo zu halten.

Ich war froh, als ich gegen 16 Uhr endlich die Jugendherberge erreichte, wo ich übernachtete. Am Abend erkundete ich noch etwas die schöne Walliser Hauptstadt – allerdings zu Fuss.

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Am nächsten Tag genos ich das reichhaltige Frühstück in der Jugi und brach gegen 8 Uhr auf – ich hatte etwa 80km vor mir, praktisch ohne Gefälle. Die Dammweg-Strecke setzte sich fort, anfangs auf Kiesweg, was mir nicht so zusagte, danach wieder auf Asphalt. Dabei zogen wunderbare Landschaften an mir vorbei. Der Rhonewind war an diesem Morgen nicht so stark, weshalb ich bis Martigny schnell vorwärts kam.

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Etliche Fahrradkilometer und Pausen später setzte der Rhonewind wieder ein. Zum Glück spendeten die Bäume immer wieder etwas Windschutz, und am Genfersee war der Wind dann nicht mehr so stark.

Vor der Mündung der Rhone in den Genfersee war ich mir unschlüssig, ob ich der Rhone folgen sollte, was ein kleiner Umweg bedeutete, oder direkt Richtung Villeneuve VD fahren sollte. Ich entschied mich, der Rhone weiter zu folgen. Der Weg führte etwas durch den Wald und plötzlich ist man am Lac Leman. Ich fuhr durch Villeneuve, und direkt dem See entlang via Montreux bis nach Vevey. Die Seepromenade wird mit den Fussgängern geteilt, weshalb man nicht so schnell vorwärtskommt. In Montreux war auch noch Markt, was das Durchkommen nicht gerade erleichterte. Dafür sah ich vor Montreux das Schloss Chillon. Wer aber nicht so viel Zeit hat, der nimmt am besten die Hauptstrasse, wo man Edelhotels und Schmuckläden sehen kann.

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Die Tour von Lax nach Vevey ist insgesamt über 150km lang. Mein Fazit: Eine Velotour in wunderschöner Landschaft, welche man gemacht haben muss. Die Strassen sind meist ohne grossen Verkehr, und wenn der Weg auf Hauptstrassen geführt wird gibt es sehr breite Velostreifen. Allerdings könnte die Beschilderung besser sein.

Ich freue mich auf die Fortsetzung von Vevey bis nach Genf oder sogar bis Lyon oder Marseille. Man sollte aber unbedingt den Wind beachten, vielleicht ist es einfacher die Tour in umgekehrter Richtung zu fahren.

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